Stellungnahme des Rates zum aktualisierten Konvergenzprogramm der Tschechischen Republik für 2009-2012 2010/C 138/01 DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION — gestützt auf den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, gestützt auf die Verordnung (EG) Nr. 1466/97 des Rates vom 7. Juli 1997 über den Ausbau der haushaltspolitischen Überwachung und der Überwachung und Koordinierung der Wirtschaftspolitiken , insbesondere auf Artikel 9 Absatz 3, auf Empfehlung der Kommission, nach Anhörung des Wirtschafts- und Finanzausschusses, — GIBT FOLGENDE STELLUNGNAHME AB: (1) Am 26. April 2010 prüfte der Rat das aktualisierte Konvergenzprogramm der Tschechischen Republik für den Zeitraum 2009 bis 2012.
(2) Die weltweite Krise hat die tschechische Wirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach dreijährigem Wachstum von über 6 % wuchs das reale BIP 2008 nur noch um 2,5 % und ist dem aktualisierten Konvergenzprogramm zufolge 2009 um 4 % geschrumpft. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft kamen vor allem über den Außenhandel zum Tragen, aber auch über Vertrauenseffekte, restriktivere Kreditbedingungen und geringere Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen. Die Behörden reagierten mit Entschlossenheit auf die Krise. Die Tschechische Nationalbank senkte ihren zentralen Leitzins von 3,75 % Mitte 2008 auf derzeit 1 %, und die Regierung schnürte ein umfangreiches Konjunkturpaket, das in Einklang mit dem Europäischen Konjunkturprogramm umgesetzt wurde und sich 2009 auf 2,2 % des BIP belief.
Die tschechische Krone wertete von Mitte Juli 2008 bis Mitte Februar 2009 gegenüber dem Euro um rund ein Fünftel ab (und anschließend bis Mitte Februar 2010 wieder um rund 14 % auf). Unmittelbar nach der Krise weist die tschechische Wirtschaft zurzeit keine bedeutenden makroökonomischen Anfälligkeiten auf. Die Hauptaufgabe besteht nun darin, das hohe strukturelle Staatsdefizit von schätzungsweise rund 6 % des BIP 2009 auf ein langfristig tragfähiges Niveau zurückzuführen. Außerdem müssen eine rasche Anpassung des Arbeitsmarkts an den Abschwung und Fortschritte in Richtung dauerhafter Konvergenz sichergestellt werden.
Angesichts des für 2009 geplanten Defizits stellte der Rat am 2. Dezember 2009 ein übermäßiges Defizit fest und sprach Empfehlungen aus mit dem Ziel, das Defizit bis 2013 unter den Referenzwert von 3 % des BIP zu senken. (3) Auch wenn der krisenbedingte Rückgang beim tatsächlichen BIP zum großen Teil konjunkturbedingt ist, wurde auch die Höhe des Produktionspotenzials negativ beeinflusst. Über niedrigere Investitionen und steigende strukturelle Arbeitslosigkeit kann die Krise das Potenzialwachstum außerdem auch mittelfristig beeinträchtigen. Hinzu kommt, dass die Folgen der Wirtschaftskrise die nachteiligen Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf das Produktionspotenzial und die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen noch verschärfen.
Vor diesem Hintergrund ist es von entscheidender Bedeutung, die Strukturreformen zu beschleunigen, um das Potenzialwachstum zu stützen. Besonders wichtig für die Tschechische Republik sind Reformen zur Steigerung der Produktivität (Verbesserungen bei FuE und Innovation, den Rahmenbedingungen für Unternehmen und beim Wettbewerb) sowie des Arbeitsangebots und der Arbeitnehmerqualifikationen. (4) Nach dem makroökonomischen Ausgangsszenario des Programms soll das reale BIP 2010 um 1,3 %, 2011 um 2,6 % und 2012 um 3,8 % wachsen. Dieses Szenario erscheint nach derzeitigem Kenntnisstand bis 2011 plausibel und steht mit den monetären Annahmen und den Wechselkursannahmen in Einklang.
Die im Programm enthaltene Projektion für das reale BIP-Wachstum im Jahr 2012, der zufolge das Wachstum über die Potenzialrate hinaus ansteigen soll, erscheint eher optimistisch. Die Inflation soll 2010 vor allem aufgrund höherer indirekter Steuern etwas anziehen und im gesamten Programmzeitraum moderat bleiben. Im Programm wird 2010 mit einer weiteren Verschlechterung der Arbeitsmarktlage gerechnet. Alles in allem scheinen die Inflations- und Arbeitsmarktprojektionen plausibel und mit den realen BIP-Wachstumsprojektionen in Einklang. (5) In dem Programm wird das gesamtstaatliche Defizit für 2009 mit 6,6 % des BIP veranschlagt.
Die wesentliche Verschlechterung gegenüber dem Defizit von 2,1 % des BIP im Jahr 2008 ist weitgehend den Auswirkungen der Krise auf die öffentlichen Finanzen zuzuschreiben, aber sie ist auch durch die signifikanten Konjunkturmaßnahmen im Umfang von 2,2 % des BIP im Jahr 2009 verursacht, die die Regierung in Einklang mit dem Europäischen Konjunkturprogramm beschlossen hat. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehörten eine Senkung der Sozialversicherungsbeiträge, eine Aufstockung der öffentlichen Infrastrukturinvestitionen und finanzielle Unterstützung für Unternehmen und Beschäftigung. Bemerkenswerterweise sind die gesamtstaatlichen Ausgaben im Jahr 2009 nicht so stark gestiegen wie in der letzten Konvergenzprogrammaktualisierung erwartet.
Der nach der gemeinsamen Methodik anhand von Programmdaten berechnete strukturelle Saldo (d. h. der konjunkturbereinigte Saldo ohne Anrechnung einmaliger und sonstiger befristeter Maßnahmen) verschlechterte sich 2009 um rund 2 BIP-Prozentpunkte. Dem Programm zufolge planen die tschechischen Behörden eine frontlastige Konsolidierung ab 2010, was angesichts des hohen strukturellen Defizits der Tschechischen Republik und der projizierten Verbesserung der Konjunkturlage mit der vom Rat befürworteten Ausstiegsstrategie in Einklang steht. (6) Das Programm geht von einem gesamtstaatlichen Defizit von 5,3 % des BIP im Jahr 2010 aus.
Dies entspräche einer Verbesserung des strukturellen Saldos um 2 BIP-Prozentpunkte und damit mehr als vom Rat im Dezember 2009 empfohlen — nach der Empfehlung sollte im Zeitraum 2010-2013 eine jährliche strukturelle Konsolidierungsanstrengung von durchschnittlich 1 % des BIP erreicht werden. Im Jahr 2010 beruht die Konsolidierung auf einem Anstieg der Einnahmenquote um 1,5 BIP-Prozentpunkte. Dieser soll unter anderem durch eine Erhöhung der Mehrwert-, Verbrauch- und Immobiliensteuern (rund 0,8 % des BIP) erreicht werden. Eine Rolle spielen außerdem die frühzeitige Rücknahme befristeter Senkungen der Sozialversicherungsbeiträge und eine Anhebung der Sozialversicherungsgrenzen.
Zu den ausgabenseitigen Maßnahmen gehören Kürzungen der Sozialleistungen für Krankheits- und Mutterschaftsurlaub (rund 0,1 % des BIP) sowie der Verzicht auf die mögliche Rentenindexierung (rund 0,2 % des BIP). (7) Hauptziel der mittelfristigen Haushaltsstrategie ist die Fortsetzung der Konsolidierung über das Jahr 2010 hinaus und die Rückführung des öffentlichen Defizits auf unter 3 % des BIP bis 2013 entsprechend der Ratsempfehlung vom Dezember. Dem Programm zufolge soll das Defizit von 5,3 % des BIP 2010 auf 4,8 % des BIP 2011 und 4,2 % des BIP 2012 zurückgehen. Trotz der erwarteten Konjunkturerholung würde sich die Verbesserung des strukturellen Saldos gegenüber 2010 merklich verlangsamen und im Zeitraum 2011-2012 nicht mehr als 0,6 BIP-Prozentpunkte ausmachen.
Die Konsolidierung würde vorwiegend über die Ausgabenseite erfolgen. Dem Programm zufolge sollen die Ausgabensenkungen zur Hälfte die operativen und zur Hälfte die obligatorischen Ausgaben betreffen, doch wird nicht ausführlich genug dargelegt, wie die Einsparungen erzielt werden sollen. Die einnahmeseitigen Maßnahmen haben zwar einen geringen Umfang, werden aber besser ausgeführt und umfassen unter anderem höhere Sozialversicherungsbeiträge und höhere Einkommensteuern. Für das Jahr 2013 enthält das Programm zwar ein Ziel für das gesamtstaatliche Defizit (3 % des BIP), jedoch keine Angaben dazu, wie es erreicht werden soll (auch nicht die zugrunde gelegten Wachstumsannahmen), so dass die durchschnittliche jährliche Konsolidierungsanstrengung im Zeitraum 2010-2013 nicht ermittelt werden kann.
Als mittelfristiges Ziel für die Haushaltslage strebt die Tschechische Republik nach eigenen Angaben einen gesamtstaatlichen Saldo von strukturell – 1,0 % des BIP an. Angesichts der jüngsten Projektionen und Schuldenstanddaten gibt dieses mittelfristige Ziel die Zielsetzungen des Pakts wieder. Allerdings soll es dem Programm zufolge nicht mehr innerhalb des Programmzeitraums erreicht werden. (8) Die Haushaltsergebnisse 2010 könnten etwas schlechter ausfallen als im Programm projiziert. Die Einnahmen aus Mehrwert- und Verbrauchsteuern könnten aufgrund eines möglicherweise schwächeren privaten Verbrauchs etwas hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Andererseits könnten die Ausgaben aufgrund von Ausgabendruck im Vorlauf zu den Parlamentswahlen steigen. In den späteren Programmjahren sind die Haushaltsziele mit größerer Unsicherheit behaftet. Die in der jüngsten Programmaktualisierung genannten Ausgabenziele für 2011 und 2012 werden nicht durch konkrete Maßnahmen unterlegt, was ihre Erreichung ungewiss macht, und den Einnahmenprojektionen für 2012 liegt eine günstige Annahme für das reale BIP-Wachstum zugrunde. Schließlich lässt das Programm offen, wie das Defizit von 4,2 % des BIP im Jahr 2012 auf unter 3 % des BIP im Jahr 2013 gesenkt werden soll.
(9) Der öffentliche Bruttoschuldenstand wird für 2009 auf 35 % des BIP gegenüber 30 % im Vorjahr veranschlagt. Über den Programmzeitraum hinweg soll die Schuldenquote vor allem wegen der noch immer relativ hohen Haushaltsdefizite bis 2012 um weitere 7 Prozentpunkte auf 42 % des BIP ansteigen. Wahrscheinlich wird sich die Schuldenquote insbesondere nach 2010 ungünstiger entwickeln als im Programm projiziert, denn die genannten Risiken für die Haushaltskonsolidierung verschärfen sich dadurch, dass das reale BIP-Wachstum 2012 nicht so günstig ausfallen könnte wie im Programm angenommen. Allerdings wird die öffentliche Schuldenquote im gesamten Programmzeitraum weit unter dem Referenzwert von 60 % des BIP bleiben.
(10) Mittelfristige Schuldenprojektionen, die davon ausgehen, dass das BIP-Wachstum langsam wieder die vor der Krise projizierten Raten erreicht und die Steuerquoten wieder auf Vorkrisenniveau zurückkehren, und die den projizierten Anstieg der alterungsbedingten Ausgaben beinhalten, zeigen, dass die im Programm anvisierte Haushaltsstrategie in ihrer jetzigen Form und bei unveränderter Politik nicht zu einer Stabilisierung der Schuldenquote bis 2020 führen würde. (11) Die langfristigen Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf die öffentlichen Haushalte liegen deutlich über dem EU-Durchschnitt, vor allem weil die Rentenausgaben im Verhältnis zum BIP in den kommenden Jahrzehnten relativ stark ansteigen werden.
Die im Programm veranschlagte Haushaltslage für 2009 verstärkt die Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf die Tragfähigkeitslücke. Die mittelfristige Sicherung von Primärüberschüssen und die Durchführung von Reformen am Renten- und Gesundheitssystem, um den künftigen Anstieg der betreffenden Ausgaben in Grenzen zu halten, würden dazu beitragen, die Risiken für die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen, die im Tragfähigkeitsbericht der Kommission von 2009 als hoch eingestuft wurden, zu verringern. Im Januar 2010 wurde eine Experten-Beratungsgruppe des Finanzministers und des Arbeits- und Sozialministers zusammengestellt, um Alternativvorschläge für die Pensionsreform zu erarbeiten.
Diese Vorschläge werden bis Ende Mai 2010 fertiggestellt und der neuen Regierung übermittelt. (12) Was die Haushaltsverfahren angeht, so erfolgt die Aufstellung des Haushalts eher dezentral, ist aber zugleich keinen wirkungsvollen Haushaltsregeln unterworfen. Im Jahr 2004 hat die Tschechische Republik einen mittelfristigen Haushaltsrahmen eingeführt, der die nominalen Ausgaben des Staatshaushalts über drei Jahre hinweg deckelt. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Ausgabenplafonds nachträglich mehrfach über das nach den Haushaltsregeln zulässige Maß hinaus angehoben worden sind. Hauptschwachpunkte des derzeitigen Haushaltsrahmens sind die geringe Durchsetzbarkeit, die begrenzte Ex-Post-Überwachung, die operative Komplexität und die begrenzte öffentliche Kontrolle.
Am 2. Dezember 2009 empfahl der Rat der Tschechischen Republik, „ ihren mittelfristigen Haushaltsrahmen konsequent durch[zu]setzen und den Haushaltsvollzug über das gesamte Jahr hinweg besser [zu] überwachen, damit Ausgabenüberschreitungen gegenüber dem Haushaltsplan und den Mehrjahresplänen vermieden werden “ . Das Programm enthält nicht genügend Vorschläge in diese Richtung. Bei der Verbesserung der Haushaltsführung sind indes gewisse Fortschritte festzustellen. Die derzeit vorgenommenen bedeutenden Änderungen bei Steuereinzug und Steuerverwaltung sowie ein rascher Übergang zu einer kassenbasierten Haushaltsverwaltung werden zu einer effizienteren öffentlichen Finanzverwaltung beitragen.
(13) Die Qualität der öffentlichen Ausgaben kann in der Tschechischen Republik noch verbessert werden. So liegen insbesondere die FuE-Ausgaben unter dem EU-Durchschnitt und könnten die öffentlichen Ausgaben in Bereichen wie Gesundheit, Bildung und öffentliche Beschaffung noch effizienter werden. Die öffentlichen Investitionen hingegen sind im Vergleich zum EU-Durchschnitt und zu anderen Ländern der Region hoch (fast 5 % des BIP in den letzten vier Jahren). Auf der Einnahmenseite haben die tschechischen Behörden seit 2007 verschiedene Reformen durchgeführt, die eine allmähliche Verlagerung von der direkten hin zur indirekten Besteuerung zum Ziel haben.
Allerdings wären weitere Reformen am Steuer- und Sozialleistungssystem vonnöten, um den Arbeitsanreiz zu erhöhen und Erwerbslosigkeitsfallen zu entschärfen. Außerdem sind direkte Besteuerung und Steuereinzug komplex aufgebaut und würden durch eine weitere Vereinfachung gewinnen. (14) Alles in allem entspricht die im Programm dargelegte Haushaltsstrategie 2010 den Empfehlungen des Rates nach Artikel 126 Absatz 7. Das Defizitziel scheint angemessen und wird durch konkrete Konsolidierungsmaßnahmen gestützt. Ab 2011 wird die Haushaltsstrategie in Anbetracht der vorerwähnten Risiken möglicherweise nicht mehr ganz mit den Ratsempfehlungen nach Artikel 126 Absatz 7 in Einklang stehen.
So sind insbesondere die Konsolidierungspläne für die Jahre 2011 und 2012 mit einer durchschnittlichen Konsolidierung um 0,3 % des BIP pro Jahr nicht ehrgeizig genug und mit Risiken behaftet. Die Ausgabenziele werden nicht durch konkrete Maßnahmen abgesichert, die Einnahmenprojektionen für 2012 beruhen auf günstigen makroökonomischen Annahmen, und es fehlen Angaben dazu, wie das Defizit von 4,2 % des BIP im Jahr 2012 auf unter 3 % des BIP im Jahr 2013 gesenkt werden soll. Zur Haushaltsstrategie für 2013 werden keine Angaben gemacht. Die jährliche Konsolidierungsanstrengung macht im Programmzeitraum (2010-2012) durchschnittlich 0,8 % aus, was zwar nahe an den vom Rat empfohlenen 1 %, aber dennoch darunter liegt.
Um der Empfehlung zu entsprechen, müssen im Zeitraum 2011-2013 weitere Konsolidierungsmaßnahmen durchgeführt werden, die die empfohlene Konsolidierungsanstrengung von durchschnittlich 1 % sicherstellen. (15) Was die im Verhaltenskodex für die Stabilitäts- und Konvergenzprogramme vorgesehenen Daten angeht, so weist das Programm bei den obligatorischen Angaben gewisse Lücken auf . In seiner Empfehlung nach Artikel 126 Absatz 7 vom 2. Dezember 2009 zur Beendigung des übermäßigen öffentlichen Defizits forderte der Rat die Tschechische Republik auch auf, in einem gesonderten Kapitel der Konvergenzprogrammaktualisierungen über die Fortschritte bei der Umsetzung der Empfehlungen zu berichten.
Die Tschechische Republik ist dieser Empfehlung teilweise nachgekommen. Alles in allem wird der Schluss gezogen, dass die Haushaltsstrategie der Tschechischen Republik für 2010 angemessen ist und mit der Ratsempfehlung nach Artikel 126 Absatz 7 AEUV in Einklang steht. Der Haushaltsstrategie für die Folgejahre fehlt es jedoch an Ehrgeiz und die Haushaltsziele sind sowohl auf der Einnahmen- als auch der Ausgabenseite mit Risiken behaftet. Insbesondere werden die Ausgabenziele ab 2011 nicht durch konkrete Maßnahmen untermauert und sind die Einnahmenprojektionen für 2012 aufgrund der günstigen makroökonomischen Annahmen zweifelhaft.
Hinzu kommt, dass der angestrebte Termin für die Senkung des öffentlichen Defizits unter 3 % des BIP (2013) zwar der Ratsempfehlung entspricht, die Haushaltsstrategie jedoch nicht in vollem Umfang bewertet werden kann, da das Programm keine ausführlichen Angaben zu den Konsolidierungsmaßnahmen enthält, die notwendig sind, um die in jenem Jahr geplante signifikante Anpassung herbeizuführen. Daher wäre ein Mehr an Information zu den Grundzügen der Strategie, auf der die Korrektur des übermäßigen Defizits insbesondere 2013 fußen soll, zu begrüßen. Der haushaltspolitische Rahmen weist in verschiedener Hinsicht merkliche Schwächen auf, insbesondere bei den Haushaltsverfahren und der Durchsetzung des mittelfristigen Haushaltsrahmens.
Außerdem wirkt sich die Bevölkerungsalterung langfristig deutlich stärker auf die öffentlichen Haushalte aus als im EU-Durchschnitt, was weiterhin Anlass zur Sorge über die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen gibt und auf Reformbedarf im Renten- und Gesundheitswesen hinweist. In Anbetracht der vorstehenden Bewertung und der Empfehlung nach Artikel 126 AEUV vom 2. Dezember 2009 sowie angesichts der Notwendigkeit, dauerhafte Konvergenz zu gewährleisten, wird die Tschechische Republik aufgefordert, i) den Haushalt 2010 rigoros auszuführen und Ausgabenüberschreitungen zu vermeiden; gemäß der Empfehlung des Rates nach Artikel 126 Absatz 7 im Rahmen der Haushalte 2011 und 2012 eine umfangreichere Haushaltsanpassung anzustreben als im Programm geplant und die Maßnahmen, die zur Korrektur des übermäßigen Defizits bis spätestens 2013 erforderlich sind, ausführlicher darzulegen, ii) Maßnahmen zu ergreifen, um die Haushaltsverfahren zu verbessern und die mittelfristigen Haushaltsziele durchzusetzen und rigoroser zu überwachen; insbesondere Aufwärtskorrekturen der Ausgabenobergrenzen über das nach den Haushaltsregeln zulässige Maß hinaus zu vermeiden, iii) die nötigen Reformen durchzuführen, um die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen zu verbessern.
Die Tschechische Republik wird außerdem aufgefordert, bei der nächsten Aktualisierung ihres Konvergenzprogramms in dem gesonderten Kapitel über die Fortschritte bei der Korrektur des übermäßigen Defizits, das der Rat in seinen Empfehlungen nach Artikel 126 Absatz 7 vom 2. Dezember 2009 gefordert hatte, substanziellere Informationen zu liefern. Gegenüberstellung zentraler makroökonomischer und budgetärer Projektionen Anmerkungen: Quelle: Konvergenzprogramm (KP), Herbstprognose 2009 der Kommissionsdienststellen (KOM), Berechnungen der Kommissionsdienststellen . 2008 2009 2010 2011 2012 Reales BIP (Veränderung in %) KP Feb.
2010 2,5 –4,0 1,3 2,6 3,8 KOM Nov. 2009 2,5 –4,8 0,8 2,3 k.A. KP Okt. 2008 4,4 3,7 4,4 5,2 k.A . HVPI Inflation (%) KP Feb. 2010 6,3 0,6 1,8 1,5 1,8 KOM Nov. 2009 6,3 0,6 1,5 1,8 k.A. KP Okt. 2008 6,4 2,9 3,0 2,5 k.A . Produktionslücke (% des BIP-Potenzials) KP Feb. 2010 4,8 –2,0 –2,9 –2,6 –1,1 KOM Nov. 2009 5,6 –1,8 –2,9 –2,5 k.A. KP Okt. 2008 1,9 0,4 –0,4 –0,2 k.A . Finanzierungsdefizit/-überschuss gegenüber dem Rest der Welt (% des BIP) KP Feb. 2010 –2,4 –0,2 1,0 0,2 0,6 KOM Nov. 2009 –2,2 –1,5 –0,7 –0,4 k.A. KP Okt. 2008 –1,0 –0,5 0,4 1,2 k.A . Gesamtstaatliche Einnahmen (% des BIP) KP Feb.
2010 40,9 39,0 40,5 40,8 40,5 KOM Nov. 2009 40,9 40,3 41,0 40,9 k.A. KP Okt. 2008 41,0 40,6 39,6 39,0 k.A . Gesamtstaatliche Ausgaben (% des BIP) KP Feb. 2010 43,0 45,5 45,8 45,6 44,7 KOM Nov. 2009 43,0 46,9 46,5 46,6 k.A. KP Okt. 2008 42,2 42,2 41,1 40,2 k.A . Gesamtstaatlicher Haushaltssaldo (% des BIP) KP Feb. 2010 –2,1 –6,6 –5,3 –4,8 –4,2 KOM Nov. 2009 –2,1 –6,6 –5,5 –5,7 k.A. KP Okt. 2008 –1,2 –1,6 –1,5 –1,2 k.A . Primärsaldo (% des BIP) KP Feb. 2010 –1,0 –5,3 –3,5 –2,8 –2,0 KOM Nov. 2009 –1,0 –5,2 –3,9 –4,1 k.A. KP Okt. 2008 0,0 –0,4 –0,4 –0,1 k.A .
Konjunkturbereinigter Saldo (% des BIP) KP Feb. 2010 –3,8 –5,9 –4,2 –3,8 –3,8 KOM Nov. 2009 –4,1 –6,0 –4,5 –4,8 k.A. KP Okt. 2008 –2,0 –1,7 –1,4 –1,1 k.A . Struktureller Saldo (% des BIP) KP Feb. 2010 –3,7 –6,1 –4,1 –3,7 –3,5 KOM Nov. 2009 –4,1 –6,3 –4,7 –4,9 k.A. KP Okt. 2008 –1,9 –1,7 –1,3 –1,1 k.A . Öffentlicher Bruttoschuldenstand (% des BIP) KP Feb. 2010 30,0 35,2 38,6 40,8 42,0 KOM Nov. 2009 30,0 36,5 40,6 44,0 k.A. KP Okt. 2008 28,8 27,9 26,8 25,5 k.A .