Skip to content
Seqlense EUR-Lex

Schlußfolgerungen des Rates vom 21. Juni 1994 zu den kulturellen und künstlerischen Aspekten der Bildung

CELEX
31994Y0818(01)
Document type
CONCL
Sector
Legislation
Date of document
1994-06-21
In force since
1994-06-17
Status
In force

Text

This document has no article-level structure in its source. Full text below.

Schlußfolgerungen des Rates vom 21. Juni 1994 zu den kulturellen und künstlerischen Aspekten der Bildung Amtsblatt Nr. C 229 vom 18/08/1994 S. 0001 - 0002 SCHLUSSFOLGERUNGEN DES RATES vom 21. Juni 1994 zu den kulturellen und künstlerischen Aspekten der Bildung (94/C 229/01) Die Minister für Bildungsfragen begrüssen die Initiative des Vorsitzes, ihnen sowie auch den für Kulturfragen zuständigen Ministern die Frage der kulturellen und künstlerischen Aspekte der Bildung zu unterbreiten. Sie nehmen mit Interesse die Ergebnisse des Seminars zur Kenntnis, das der Vorsitz und die Kommission im April 1994 gemeinsam zu diesem Thema ausgerichtet haben.

Es handelt sich hierbei um eine nützliche Initiative, da der kürzlich ratifizierte Vertrag über die Europäische Union der Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten auf den Gebieten der Bildung und der Kultur neue Impulse verleiht und die Bedeutung einer qualitativ hochstehenden Bildung hervorhebt. Eine solche Bildung muß die Kultur einschließen; auch zu einer Zeit, da die Berufsaussichten verständlicherweise das Hauptanliegen der Schüler und Studenten sind, muß es Aufgabe der Bildung sein, nicht nur die Grundlage für den Einstieg in das Berufsleben zu bieten, sondern auch in umfassenderer Weise auf die verschiedenen Aspekte des Lebens vorzubereiten.

Die Heranführung an kulturelle Themen und die Einführung in die schöpferischen oder darstellenden Künste kann einen grossen Beitrag zur harmonischen Entwicklung der Persönlichkeit des einzelnen in der Gesellschaft leisten. In diesem Zusammenhang nehmen die Minister mit Interesse das Papier des Vorsitzes zu "zeitgemässen Konzepten von Bildung und Kultur" zur Kenntnis, das diesen Schlußfolgerungen als Anlage beigegeben ist. Seit der Verabschiedung eines Aktionsprogramms zum Bildungsbereich im Jahr 1976, das nun durch die Bestimmungen des Vertrages untermauert worden ist, hat die europäische Dimension im Bildungsbereich auf Gemeinschaftsebene einen wichtigen Stellenwert eingenommen.

Das bedeutet, daß in den Schulen wie den Hochschulen das Bewusstsein für Kultur und Geschichte der Völker Europas geschärft werden muß. Ferner sieht sich die Europäische Gemeinschaft durch die Aufgabe, die sie im Hinblick auf die Ausbildung der Kinder von Wanderarbeitnehmern wahrzunehmen hat, vor eine besondere Herausforderung bei der Beschäftigung mit anderen Kulturen gestellt. Aufgeschlossenheit für die Kultur anderer Völker setzt voraus, daß man in der Kultur des eigenen Landes und der eigenen Region hinreichend verwurzelt ist und sich gemeinsamer Werte bewusst ist. In dem neuen Bildungsprogramm der Gemeinschaft, dem SOCRATES-Programm, das nun als Vorschlag vorliegt, können die kulturellen und künstlerischen Aspekte der Bildung in angemessener Weise hervorgehoben werden.

Es wird darin unterstrichen, wie wichtig die Zusammenarbeit mit dem Europarat und anderen europäischen Einrichtungen ist, die sich mit den kulturellen Aspekten der Bildung befassen. Der Rat nimmt des weiteren mit Interesse zur Kenntnis, daß die Kommission derzeit ein Pilotprojekt verfolgt, mit dem in den Schulen für Kunst, Tanz, Theater, audiovisuelle Medien, Design und Musik, deren Besuch eine höhere Schulbildung voraussetzt und die aufgrund ihres besonderen Status gegebenenfalls in den bestehenden Bildungs- und Fortbildungsprogrammen nicht in angemessener Weise Berücksichtigung gefunden haben, eine spezifische europäische Dimension gefördert werden soll.

Der Rat fordert die Kommission auf, den kulturellen und künstlerischen Aspekten der Bildung angemessenes Gewicht beizumessen und die Durchführung von einschlägigen innovativen Pilotprojekten sowie den Erfahrungsaustausch über kulturelle Fragen im Rahmen des SOCRATES-Programms zu fördern. Er vereinbart, binnen drei Jahren diese Frage anhand einer Überprüfung erneut zu erörtern. ANLAGE Zeitgemässe Konzepte von Bildung und Kultur Papier des Vorsitzes Bildungskonzepte und Kulturkonzepte sind eng miteinander verbunden. Den kulturellen Faktor im Bildungssystem zum Tragen zu bringen, bedeutet, sich darum zu bemühen, daß Lernen Freude bereitet, einen pädagogischen Ansatz zu verfolgen, der von der natürlichen Neugier der Kinder ausgeht, und bestrebt zu sein, die Kommunikation auf allen Ebenen zu verbessern.

Die künstlerischen Disziplinen sind nicht aussergewöhnlich begabten Menschen vorbehalten, sondern können als ein Mittel angesehen werden, einem tiefen Bedürfnis nach zwischenmenschlichen Beziehungen und zwischenmenschlichem Gedankenaustausch Gestalt zu geben. Die Lerntechniken erlauben es heute, sich in kurzer Zeit eine grosse Menge an Informationen anzueignen; daher sollte die Bildung den Schwerpunkt nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität, nicht auf die Akkumulierung von Wissen, sondern auf den Erwerb von Methoden legen. Die kulturellen Aspekte der Bildung sollten dabei so beschaffen sein, daß sie das Interesse aller Kinder wecken können.

Der Bedarf nach einem solchen kulturellen Faktor wird um so spürbarer, als heute das Fernsehen den Bereich der Information und Unterhaltung beherrscht. Daher brauchen wir Methoden, die es gestatten, die Massenmedien zu entmystifizieren und zu ihren Aussagen eine kritischere Haltung einzunehmen. Die Kenntnis traditioneller Kunstformen und die Vertrautheit mit neueren Medien (Fotographie, Tonaufnahmen, Kino, Radio, Fernsehen, Video usw.) sollten die jungen Menschen befähigen, ein umfassendes Kulturbewusstsein zu entwickeln, das sie anspruchsvoller werden lässt und ihre Urteilsfähigkeit schärft.

Gleichzeitig ist festzustellen, daß die in der heutigen Welt existierende Grausamkeit, wie sie auch in technisch hochentwickelten modernen Gesellschaften auftreten kann, Auswirkungen auf die Kinder hat; daher sind die Formen von Bildung in den Vordergrund zu stellen, die die Empfänglichkeit für soziale und menschliche Probleme fördern. Die kulturelle Bildung leistet einen Schlüsselbeitrag dazu, daß Minderheitenkulturen respektiert und Unterschiede in der Gesellschaft anerkannt werden. Ein Bildungssystem, das den kulturellen Aspekten ein angemessenes Gewicht beimisst, kann tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesellschaft haben.

Kulturelle Bildung muß sich an alle Kinder richten, auch an weniger begabte und benachteiligte Kinder oder an Kinder mit spezifischen Bedürfnissen; denn Kunst gibt den Menschen und den Völkern im allgemeinen die Möglichkeit, ihre Persönlichkeit zu erforschen, sich auszudrücken, sich mitzuteilen und schöpferisch tätig zu werden.

Relations

What this act cites, and what cites it.

Show relations

Versions

Point-in-time consolidated versions of this act.

Show versions