Schlussfolgerungen des Rates vom 20. Dezember 1996 betreffend den schulischen Erfolg: Grundsätze und Strategien zur Steigerung des schulischen Erfolgs Amtsblatt Nr. C 007 vom 10/01/1997 S. 0001 - 0005 SCHLUSSFOLGERUNGEN DES RATES vom 20. Dezember 1996 betreffend den schulischen Erfolg: Grundsätze und Strategien zur Steigerung des schulischen Erfolgs (97/C 7/01) I. EINLEITUNG 1. Die Jugend gehört zum wichtigsten Zukunftskapital der Europäischen Union. Jugendlichen muß jede erdenkliche Unterstützung zuteil werden, damit sie ihr Potential als Individuen und als vollwertige, aktive Mitglieder der Gesellschaft voll entfalten können.
Sie sind Wegbereiter des Wandels, und die weitere politische, wirtschaftliche, soziale und demokratische Entwicklung Europas wird einmal in ihrer Hand liegen. 2. Bildung und Ausbildung der Jugend sind deshalb ein äußerst wichtiger Faktor, denn sie tragen dazu bei, daß die Jugendlichen ihre Persönlichkeit und ihr Potential voll entfalten und an der Entwicklung der europäischen Gesellschaften in vollem Umfang teilhaben und mitwirken können. Schulversagen hat folglich ganz reale persönliche und soziale Folgen für den einzelnen und für die Gesellschaft, und seine Auswirkungen reichen weit über den Bildungs- und Ausbildungsbereich hinaus.
3. Die Minister für Bildungsfragen der Europäischen Union haben das Bestehen des gemeinsamen Problems des Schulversagens bereits seit geraumer Zeit erkannt. 1987, unter dem belgischen Vorsitz, haben der Rat und die im Rat vereinigten Minister für das Bildungswesen ihre gemeinsame Besorgnis "über den schulischen Mißerfolg vieler Jugendlicher" zum Ausdruck gebracht. Zwei Jahre später, 1989, haben die Mitgliedstaaten in einer unter dem französischen Vorsitz angenommenen Entschließung zur Bekämpfung des Schulversagens beschlossen, "sich zu bemühen, Schulversagen intensiv zu bekämpfen". Nicht zu vergessen ist auch die umfangreiche Arbeit anderer internationaler Organisationen, insbesondere der OECD, auf diesem Gebiet.
4. Der auf Wunsch der Minister für Bildungsfragen unter dem portugiesischen Vorsitz erstellte Bericht der Europäischen Informationsstelle Eurydice "Die Bekämpfung des Schulversagens: eine Herausforderung an ein Vereintes Europa" war insofern ein wertvoller Beitrag zu den Arbeiten auf diesem Gebiet, als hier das Problem definiert, seine sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen quantifiziert und geeignete Strategien zur Vorbeugung und Abhilfe aufgezeigt werden. Darüber hinaus wurden im Rahmen der Aktion 3.1 des Programms Sokrates in den Jahren 1995 und 1996 das Problem der Jugendlichen, die ohne angemessene Qualifikationen das Schulsystem verlassen, sowie die Frage der Effizienz der einzelnen Schulsysteme als vorrangige Themen eingestuft.
Bei den künftigen Arbeiten auf diesem Gebiet sollten die vorhandenen Forschungsergebnisse berücksichtigt werden; soweit erforderlich, könnten weitere Untersuchungen durchgeführt werden. 5. Der Begriff des Schulversagens stellt sich in jedem Mitgliedstaat in anderer Form dar und ist daher schwer zu definieren. Allgemein anerkannt ist jedoch, daß Schulversagen mit den folgenden Erscheinungen - oder einigen davon - zusammenhängt: Nichtausschöpfung der persönlichen Möglichkeiten, mangelnde individuelle Fortschritte, frühzeitiges Verlassen der Schule und Verlassen der Schule ohne anerkannten Abschluß oder mit unzulänglichen Befähigungsnachweisen.
Bisweilen sind die Schulen weniger effizient, als sie es sein könnten, und können daher zu mangelndem Schulerfolg beitragen. Alle diese Faktoren führen zu dem, was in diesen Schlußfolgerungen mit "Mißerfolg in der Schule/Schulversagen" bezeichnet wird. DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION - unter Berücksichtigung dieser Erwägungen und eingedenk - der Artikel 126 und 127 des Vertrags, - des in Artikel 3b des Vertrags niedergelegten Subsidiaritätsprinzips und - der Notwendigkeit, die Finanzielle Vorausschau für die Europäische Gemeinschaft einzuhalten - NIMMT FOLGENDE SCHLUSSFOLGERUNGEN AN: II.
GRUNDSÄTZE ZUR FÖRDERUNG DES ERFOLGS IN DER SCHULE Die Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen stehen vor der Aufgabe, für eine gute Ausbildung für alle zu sorgen, um so nach Möglichkeit sicherzustellen, daß ein jeder die Chance zu einer weiterführenden Ausbildung und einem erfuellten, reichhaltigen Arbeitsleben erhält, ein aktiver Bürger werden und sich als Mensch voll entfalten kann. Zu diesem Zweck könnten sich die Strategien zur Förderung des Erfolgs in der Schule auf die Ergebnisse entsprechender Forschungsarbeiten und auf folgende Kernprinzipien stützen: - Maßnahmen zugunsten der unterstützungsbedürftigsten Gruppen; - Hilfen bzw.
Schaffung der Voraussetzungen für einen kontinuierlichen Prozeß, der auf Vorschulebene einsetzt und sich bis zum Erwachsenenalter fortsetzt; - Ziele und Lernmethoden, die auf die Vielfalt der Interessen, Bedürfnisse und Fähigkeiten der Schüler ausgerichtet sind; - verschiedene Maßnahmen, einschließlich einer Evaluierung von Fortschritten und einer Zielvorgabe in bezug auf die Verbesserung der Lernergebnisse, durch die gewährleistet werden soll, daß alle Jugendlichen den größtmöglichen Nutzen aus dem Bildungssystem ziehen können; - angemessene Vorkehrungen für das frühzeitige Erkennen von Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen sowie geeignete Unterrichtsstrategien zur Behebung solcher Schwierigkeiten in der Schule; - geeignete Vorkehrungen, die den Übergang von einer Schulstufe in die andere wie auch von der Schule in weiterführende Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen und in die Arbeitswelt erleichtern; - gegebenenfalls auf die örtliche Gemeinschaft gestützte Maßnahmen für alle Kinder, insbesondere für Kinder aus unterstützungsbedürftigen Familien, wobei Schule, Gesellschaft und einschlägige Einrichtungen einander unterstützen und in ihrer Arbeit ergänzen; - ein partizipatorisches Modell, das Schülern und Eltern die Möglichkeit gibt, den Lernprozeß zu verstehen und zu verbessern, sowie - Maßnahmen zur Gewährleistung, daß die Ressourcen strategisch, zielorientiert und kosteneffizient so eingesetzt werden, daß alle Schüler die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.
III. BEZUGSRAHMEN FÜR DIE WEITERE ENTWICKLUNG Eingedenk der obengenannten Grundsätze und unter strikter Beachtung der Vielfalt der Schulsysteme und der Verantwortung der Mitgliedstaaten für die Lehrinhalte und die Gestaltung des Bildungssystems könnte eine Weiterentwicklung in den folgenden oder einigen der folgenden Bereiche erheblich zu größerem schulischen Erfolg beitragen: A. Vorschule bzw. vorschulische Einrichtungen/früher Schuleintritt; B. Innerschulische Maßnahmen wie - ein ganzheitliches Schulkonzept, - eine ganzheitliche Selbstevaluierung der Einrichtungen sowie Schulaufsicht/Evaluierung/Beratung, - Weiterentwicklung von Lehrplänen und Lehr-/Lernmethoden, - Verbindungen zwischen dem Zuhause, der Schule und dem gesellschaftlichen Umfeld einschließlich der Arbeitswelt, - Bereitstellung von Mitteln, - Schul-, Personal- und Lehrerfortbildung;
C. Rückkehr zum Lernen; D. Zeugnisse und Berechtigungen. Möglichkeiten für die Weiterentwicklung in jedem dieser Bereiche sind im Anhang als Rahmen aufgeführt. Der Rat erkennt an, daß die Steigerung des schulischen Erfolgs in den Mitgliedstaaten innerhalb ihres jeweiligen rechtlichen, organisatorischen und politischen Rahmens eine Aufgabe von zentraler Bedeutung ist, die ständig im Auge behalten werden muß. Er fordert daher die kommenden Präsidentschaften auf, nach eigenem Ermessen vorrangig die in den Abschnitten A bis D des Anhangs zu diesen Schlußfolgerungen angesprochenen Themen eingehender zu prüfen und dem Rat gegebenenfalls weitere Entwürfe für Schlußfolgerungen oder andere Texte vorzulegen.
Schließlich ist der Rat der Ansicht, daß die Methoden und Mechanismen zur Steigerung des schulischen Erfolgs sich mit der Zeit wandeln und diese Schlußfolgerungen der Prüfung anderer Themen, die sich in diesem Bereich noch ergeben könnten, in keiner Weise entgegenstehen. ANHANG Der Rat ist sich dessen bewußt, daß eine Strategie zur Steigerung des schulischen Erfolgs eine Weiterentwicklung in allen oder einigen der in Teil III dieser Schlußfolgerungen ausgewiesenen Bereichen umfassen muß. Im folgenden werden Möglichkeiten für die Weiterentwicklung in jedem dieser Bereiche aufgezeigt: A.
Vorschule bzw. vorschulische Einrichtungen/früher Schuleintritt Der günstige Einfluß der vorschulischen Erziehung auf die spätere schulische Entwicklung aller Kinder ist wissenschaftlich erwiesen. Vorschulische Erziehung für alle Kinder, insbesondere für unterstützungsbedürftige Kinder, ist somit von entscheidender Bedeutung für den Schulerfolg. Dabei ist natürlich auf ein sorgsam ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Sozialisierungszielen und Lernzielen zu achten. Ein weiterer, neuerer Aspekt ist die nutzbringende direkte Beteiligung der Eltern an der Organisation und an der Arbeit der vorschulischen Einrichtungen.
Diese Einbeziehung sollte auf eine Art und Weise erfolgen, die das Selbstwertgefühl der Eltern steigert, ihren eigenen Entwicklungsbedürfnissen entgegenkommt und sie in die Lage versetzt, am Schulleben teilzunehmen; die Eltern sollten ermutigt, unterstützt und motiviert werden, an der Ausbildung ihrer Kinder mitzuwirken. Diese Initiativen sollten in auf der Ebene der örtlichen Gemeinschaft bereits bestehenden Initiativen und in eine kontinuierliche Hilfestellung für gefährdete Kinder beim Übergang von der vorschulischen Erziehung in die Schule eingebunden werden. B. Innerschulische Maßnahmen Soziale wie auch innerschulische Faktoren können Schüler zu geringem schulischem Erfolg prädisponieren; jedoch haben die Schulen und Bildungssysteme viele Möglichkeiten, um den Auswirkungen solcher für den Bildungserwerb nachteiliger Voraussetzungen gegenzusteuern und sie abzuschwächen.
Dazu gehören unter anderem: 1. Ein ganzheitliches Schulkonzept Folgende Faktoren scheinen sich maßgeblich auf die Effizienz der Schule auszuwirken: - die Führungskompetenz des Schulleiters und seine Unterstützung durch den Einsatz des gesamten Lehrkörpers sowie - die Vorgabe ehrgeiziger, schülerorientierter Lernziele für alle Schüler, ergänzt durch geeignete Programme und Lernkonzepte, die die Interessen und die Fähigkeiten der Schüler in ihrer ganzen Bandbreite abdecken und aktivieren. Von großer Bedeutung für den Erfolg des ganzheitlichen Schulkonzepts ist der Schul-, Ziel- oder Aufgabenplan, den der Schulleiter zusammen mit den Lehrerkollegen, den Eltern, den Schülern und der Schulverwaltung erarbeitet.
Einige Schlüsselbestandteile eines solchen Schul-, Ziel- oder Aufgabenplans sind - Strategien zur Motivierung der Schüler und zum Aufbau ihres Selbstvertrauens und Selbstwertgefühls; - Feststellung des Leistungsstands der Schüler einschließlich der Beobachtung ihrer Lese-, Schreib- und Rechenfertigkeiten; - Fragen der Lehrplanumsetzung und der Lehr-/Lernmethoden; - frühzeitige Feststellung und Behebung von Lernschwierigkeiten sowie Überwachung der Regelmäßigkeit des Schulbesuchs und, falls erforderlich, Ergreifen geeigneter Maßnahmen; - Strategien betreffend die Benutzung neuer Technologien; - Strategien zur verstärkten Einbeziehung der Eltern und des gesellschaftlichen Umfelds in die schulische Arbeit; - geeignete Kooperationsformen, um einen erfolgreichen Übergang der Schüler von einer Schulstufe zur nächsten und gegebenenfalls auch zur Weiterbildung und in die Berufsausbildung sowie in die Arbeitswelt sicherzustellen, sowie - außerschulische bzw. außerunterrichtliche Aktivitäten.
2. Ganzheitliche Selbstevaluierung der Einrichtungen sowie Schulaufsicht/Evaluierung/Beratung Gemeinsame Selbstevaluierung, kontinuierliche Beobachtung und Überprüfung der Effizienz der Schule durch das Lehrpersonal und gegebenenfalls auch durch Schüler bedeutet, daß die Lehrer den Erfolg ihres fachlichen und pädagogischen Einsatzes für schulische Verbesserungen selbst beurteilen können, und zwar in Ergänzung zur Aufsicht/Evaluierung/Beratung durch die Schulbehörden. In den Bildungssystemen wird zunehmend eine breiter angelegte Überprüfung der Arbeit und der Organisation der Schulen im Rahmen eines stärker ganzheitlich ausgerichteten Konzepts einer jeweils angemessenen Schulevaluierung, Schulberatung oder Schulaufsicht angestrebt.
Diese Entwicklungen sind hilfreich für die Verbesserung der Qualität im Bildungsprozeß und sollten unterstützt und gefördert werden. Hier bietet sich Raum für eine Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Entwicklung eines Instrumentariums zur Erfolgsabschätzung, das den unterschiedlichen Gegebenheiten hinsichtlich der Schule und der Schüler Rechnung trägt. 3. Weiterentwicklung der Lehrpläne und Lehr-/Lernmethoden Zu einem schülerorientierten Bildungs- und Ausbildungskonzept gehört, daß die Programme in allen Bildungseinrichtungen ihrem Inhalt wie ihren Methoden nach einen Bezug zu dem gesellschaftlichen und kulturellen Rahmen haben, in dem die Schüler leben.
Damit möglichst viele Schüler die Schule erfolgreich durchlaufen, sollten daher in folgenden Bereichen weitere Entwicklungen angeregt und gefördert werden: - im Rahmen vorgegebener Lehrpläne Nutzung oder Schaffung von Möglichkeiten, um den verschiedenen Interessen, Bedürfnissen und Fähigkeiten der Schüler in all ihrer Vielfalt gerecht werden zu können, - Einsatz eines breiten Spektrums von Lehr- und Lernmethoden, - verstärkte Ausrichtung auf Technik, Berufsbildung und Kommunikation, - Förderung von polyvalenten Fertigkeiten und des Erwerbs von Schlüsselqualifikationen, einschließlich der Verbesserung des Lehrens und Lernens von Sprachen, - erforderlichenfalls Bereitstellung von differenzierten Bewertungsformen, die den Bedürfnissen aller Schüler Rechnung tragen, sowie - Stärkung der Grundfertigkeiten in Lesen, Schreiben, Rechnen und Kommunikation.
4. Verbindungen zwischen dem Zuhause, der Schule und dem gesellschaftlichen Umfeld Ein unterstützendes häusliches und gesellschaftliches Umfeld ist insbesondere für Kinder, die Hilfe brauchen, wie auch für Kinder aus einem fremden kulturellen Umfeld ein wichtiger Faktor für den schulischen Erfolg, für einen längeren Schulbesuch und für eine größere Inanspruchnahme weiterführender Bildungsangebote. Deshalb sind Bemühungen zur Schaffung von Verbindungsstrukturen zwischen dem Zuhause, der Schule und dem weiteren gesellschaftlichen Umfeld ein Schlüsselfaktor einer jeden Schulerfolgsstrategie.
Daher sollten diese Bemühungen angeregt und gefördert werden. Dabei geht es vor allem um folgendes: - Ermutigung der Lehrer und des übrigen Schulpersonals, engere Beziehungen zu Eltern, örtlichen Gruppierungen bis hin zur Arbeitswelt aufzubauen; - elternorientierte Maßnahmen, die den Bedürfnissen der Eltern entsprechen, darunter Maßnahmen, mit denen die Eltern in geeigneter Weise in die Arbeit der Schule einbezogen werden; - besondere Beachtung der Probleme beim Übergang von einer Schulstufe zur anderen; - Aufforderung an höherqualifizierende Bildungseinrichtungen, Verbindungen zu den Schulen aufzubauen, damit verstärkt Schüler aus Gruppen, die in höherqualifizierten Bildungsgängen traditionell unterpräsentiert sind, Einrichtungen dieser Art besuchen können; - Förderung der Beziehungen zwischen Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen und der Arbeitswelt.
5. Bereitstellung von Mitteln Damit die Schüler die Unterstützung bekommen, die sie brauchen, ist es wichtig, daß den Schulen entsprechende Mittel strategisch und kostenwirksam bereitgestellt werden. Dies gilt insbesondere für Schulen, in denen eine bedeutende Anzahl von Schülern aus familiären oder sonstigen Gründen Hilfe braucht. 6. Ausbildung des Schulpersonals und Lehrerbildung Die fortdauernde Entwicklung gut durchdachter und ausgestatteter Fortbildungsprogramme für Schulleiter, Fachlehrer und mittlere Führungskräfte sowie für das gesamte Personal an Schulen ist als Teil eines ganzheitlichen Schulentwicklungsprozesses von Bedeutung.
Diese Programme könnten sich unter anderem befassen mit der Entwicklung von Teamarbeit, der Selbstevaluierung, der Überprüfung der Qualität und der Effizienz, der Kommunikation, mit der Fähigkeit zu partnerschaftlicher Arbeit und Gruppenarbeit sowie der Fähigkeit zur Anpassung an Lehrplanänderungen, wie auch mit unterschiedlichen Lehrmethoden. Umfassen die Erstausbildung und die Lehrerbildung kein strukturiertes Einstiegspraktikum, so sollten sie durch ein solches Praktikum und durch geeignete Entwicklungsmöglichkeiten während des ganzen Berufslebens ergänzt werden. C. Rückkehr zum Lernen Selbst wenn vorbeugende Strategien gegen einen Schulabgang ohne anerkannten Abschluß oder mit unzureichenden Befähigungsnachweisen intensiv verfolgt werden, wird es natürlich weiterhin eine Reihe von Jugendlichen geben, die ohne ausreichende Kenntnisse und Fertigkeiten von der Schule abgegangen sind.
Diese Gruppe braucht besonders intensive Anregungen zur Wahrnehmung weiterführender Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten und Zugang zu diesen Möglichkeiten. Von Bedeutung sind in diesem Zusammenhang nicht das institutionell geregelte und strukturierte Angebot derartiger Möglichkeiten, wichtig ist vielmehr, daß es diese Möglichkeiten überhaupt gibt und daß sie - soweit möglich - zur Erlangung staatlich anerkannter Befähigungsnachweise in Anspruch genommen werden können. Dieser Bereich bedarf stärkerer Aufmerksamkeit, wenn er zur Eindämmung der Arbeitslosigkeit beitragen soll. D. Bescheinigung und Anerkennung erworbener Kenntnisse Die Bedeutung dieses Punktes wird in den Schlußfolgerungen des Rates betreffend eine Strategie für lebensbegleitendes Lernen hervorgehoben.
Immer mehr zeigt sich die Notwendigkeit eines durchlässigen Systems, das angemessene alternative Bildungswege und Wiedereinstiegsmöglichkeiten für diejenigen Jugendlichen bietet, die ihre Ausbildung auf dem normalen Bildungsweg nicht erfolgreich abgeschlossen haben oder bereits arbeiten und ihre Kenntnisse und Fertigkeiten erweitern müssen. Ein zunehmendes Angebot an Teilzeit- und Fernkursen, die Einführung modularer Kursstrukturen und die Notwendigkeit der Bescheinigung und der Anerkennung bereits früher oder durch Berufserfahrung erworbener Kenntnisse sind einige der Gründe, die dafür sprechen, die Verfahren für die Bescheinigung und Anerkennung erworbener Kenntnisse mit Blick auf die neuen Bedürfnisse flexibler und vielseitiger zu gestalten.