Stellungnahme des Rates zum aktualisierten Konvergenzprogramm Schwedens für 2009-2012 2010/C 146/02 DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION — gestützt auf den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, gestützt auf die Verordnung (EG) Nr. 1466/97 des Rates vom 7. Juli 1997 über den Ausbau der haushaltspolitischen Überwachung und der Überwachung und Koordinierung der Wirtschaftspolitiken , insbesondere auf Artikel 9 Absatz 3, auf Empfehlung der Kommission, nach Anhörung des Wirtschafts- und Finanzausschusses — GIBT FOLGENDE STELLUNGNAHME AB: (1) Am 26. April 2010 hat der Rat das aktualisierte Konvergenzprogramm Schwedens für den Zeitraum 2009-2012 geprüft.
(2) Nachdem die schwedische Wirtschaft Ende 2008 schwer von der Rezession getroffen wurde, hat sie sich nunmehr stabilisiert, wobei allerdings während des ganzen Jahres 2009 ein negatives BIP-Wachstum zu verzeichnen war. Wachstumsmotor war hauptsächlich die Verbrauchernachfrage, was für den derzeitigen Abschnitt des Konjunkturzyklus eher untypisch ist, während Industrieproduktion, Investitionstätigkeit und Exporte nach ihrem drastischen Rückgang lediglich die Talsohle erreicht haben. Erleichtert wurden die Ausgaben der privaten Haushalte durch eine (konjunktur)stützende Finanz- und Geldpolitik und die Stabilisierung der Lage an den Finanzmärkten.
Ebenfalls zur Stärkung des Verbrauchervertrauens beigetragen haben die verbesserten Aussichten am Arbeitsmarkt, steigende Aktienmarktindizes und die Rückkehr des Aufwärtstrends bei Wohnimmobilienpreisen. Mit Abgleiten der Wirtschaft in die Rezession wertete die schwedische Währung in weniger als einem Jahr auf handelsgewichteter Basis um fast 30 % ab, hat aber seither rund drei Viertel ihres verlorenen Wertes zurückgewonnen. Die jüngste Aufwertung dürfte dazu beitragen, den durch die starke Konjunkturflaute bereits gedämpften Inflationsdruck noch weiter zu dämpfen. Rezession und finanzpolitische Gegenmaßnahmen haben dazu geführt, dass sich der Haushaltsüberschuss von 2,5 % des BIP im Jahr 2008 im Folgejahr 2009 in ein Defizit von 0,8 % des BIP verwandelt hat.
Um eine tragfähige Entwicklung der öffentlichen Finanzen zu gewährleisten, sollte unbedingt verhindert werden, dass sich die potenziell eher beschäftigungsunwirksame wirtschaftliche Erholung auf Dauer negativ auf die langfristige Arbeitslosigkeit auswirkt und einen unwiderruflichen Verlust an Arbeitsangebot bewirkt. Hier gilt es zu gewährleisten, dass die aktive Arbeitsmarktpolitik auch bei Ausweitung ihres Wirkungskreises ihre hohe Qualität behält. Eine weitere Herausforderung für die politischen Entscheidungsträger liegt darin, die Rücknahme der verschiedenen Konjunkturmaßnahmen so zu steuern, dass dadurch weder die Erholung im Keim erstickt noch zur Entstehung von potenziell destabilisierenden Ungleichgewichten im Sektor private Haushalte beigetragen wird.
(3) Auch wenn der im Zuge der Krise verzeichnete Rückgang beim tatsächlichen BIP zum großen Teil konjunkturbedingt ist, wurde auch die Höhe des Produktionspotenzials negativ beeinflusst. Darüber hinaus kann die Krise über niedrigere Investitionen, restriktivere Kreditvergabe und steigende strukturelle Arbeitslosigkeit das Potenzialwachstum auch mittelfristig beeinträchtigen. Hinzu kommt, dass die Folgen der Wirtschaftskrise die nachteiligen Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf das Potenzialwachstum und die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen verschärfen. Vor diesem Hintergrund ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Strukturreformen beschleunigt werden, um das Potenzialwachstum zu stützen.
Für Schweden sind Reformen vor allem in den Bereichen Wettbewerb und Erwerbsbeteiligung wichtig. (4) Nach dem makroökonomischen Szenario, das auf dem im September 2009 ins Parlament eingebrachten Haushaltsgesetz 2010 beruht, soll sich das reale BIP-Wachstum von – 5,2 % im Jahr 2009 auf 0,6 % im Jahr 2010 steigern und sich im restlichen Programmzeitraum bei durchschnittlich 3,5 % einpendeln. Dieses Szenario scheint nach aktuellem Kenntnisstand für 2010 auf vorsichtigen und für die Folgejahre dann auf ausgesprochen optimistichen Wachstumsannahmen zu beruhen, denn die für die Folgejahre projizierten Wachstumsraten liegen erheblich über dem geschätzten mittelfristigen Wachstumspotenzial.
Vor diesem Hintergrund scheinen die Inflationsprojektionen des Programms eher niedrig, auch wenn diese von der erwarteten Erstarkung der schwedischen Währung herrühren könnten. (5) Das öffentliche Defizit für 2009 wird im Programm auf 2,2 % des BIP veranschlagt. Die erhebliche Verschlechterung gegenüber einem Überschuss von 2,5 % des BIP im Jahr 2008 ist krisenbedingt, weil zum einen die automatischen Stabilisatoren ihre Wirkung entfalten und zum anderen die von der Regierung in Einklang mit dem Europäischen Konjunkturprogramm beschlossenen diskretionären Maßnahmen im Umfang von rund 1,5 % (mehr als 2,5 % einschließlich 2010) des BIP zu Buche schlagen.
Grund für diese Verschlechterung waren hauptsächlich sinkende Steuereinnahmen, da die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden zurückging und die durchschnittlichen Steuersätze sanken, der Konsum sich abschwächte und die Unternehmensgewinne und Kapitalerträge abnahmen. Die konjunkturstützende Finanzpolitik soll dem Programm zufolge 2010 fortgesetzt werden. Angesichts der relativ günstigen Haushaltslage Schwedens ist die für 2010 geplante Fortsetzung des expansiven finanzpolitischen Kurses als angemessen und mit dem Europäischen Konjunkturprogramm in Einklang stehend anzusehen. Für die späteren Programmjahre ist keine strukturelle Konsolidierung vorgesehen.
(6) 2010 soll sich das öffentliche Defizit der Programmfortschreibung zufolge auf 3,4 % des BIP ausweiten, was zum Teil auf ein zusätzliches Konjunkturpaket im Umfang von etwa 1 % des BIP zurückzuführen ist. Größte diskretionäre Maßnahme auf der Einnahmenseite ist die vierte Stufe einer Regelung für Steuergutschriften für Niedriglohnempfänger, deren Auswirkungen auf den Haushaltssaldo auf 0,3 % des BIP geschätzt werden. Eine Absenkung der Rentenbesteuerung verstärkt diesen Impuls um weitere 0,1 % des BIP. Die Maßnahmen auf der Ausgabenseite umfassen zusätzliche staatliche Transfers an die Kommunen im Umfang von etwa 0,3 % des BIP und die Bereitstellung zusätzlicher Mittel für Verbrechensbekämpfung und Justiz sowie für allgemeine und berufliche Bildung und Maßnahmen zur Förderung von Kleinunternehmen im Umfang von je etwa 0,1 % des BIP.
Der geplante finanzpolitische Kurs — wie er aus der Veränderung des strukturellen Saldos (d. h. des nach der gemeinsamen Methodik neuberechneten konjunkturbereinigten Saldos ohne Anrechnung einmaliger und sonstiger befristeter Maßnahmen) hervorgeht — ist expansiv, denn das strukturelle Defizit weitet sich um 1,6 Prozentpunkte aus. Der Unterschied gegenüber dem Umfang des Konjunkturpakets von 1 % des BIP ist hauptsächlich durch geringere Steuerelastizitäten bedingt. (7) Hauptziel der Haushaltsstrategie ist es, das öffentliche Defizit (nachdem es im Jahr 2010 3,4 % des BIP erreicht hat) wieder unter den Referenzwert von 3 % des BIP abzusenken und auf einem strikten Abwärtskurs zu halten.
Nach den Haushaltsprojektionen, die für die Zeit nach 2010 auf der Annahme einer unveränderten Politik beruhen, soll das nominelle öffentliche Defizit von 3,4 % des BIP im Jahr 2010 allmählich auf 2,1 % des BIP im Jahr 2011 und 1,1 % des BIP im Jahr 2012 absinken. Für den Primärsaldo wird eine ähnliche Entwicklung erwartet, d. h. ein Defizit von 2,2 % des BIP im Jahr 2010, das 2011 auf 0,8 % zurückgehen und sich 2012 dann in einen Überschuss von 0,4 % des BIP verwandeln soll. Dies ist vor allem deshalb eine recht signifikante Verbesserung, weil sie sich nicht auf Konsolidierungsmaßnahmen stützt und auch die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden, die eine wichtige Bemessungsgrundlage für die Einkommensteuer darstellt, im Zeitraum 2011-2012 nicht sehr stark ansteigt.
Auf der anderen Seite wird erwartet, dass sich der nach der gemeinsamen Methodik berechnete strukturelle Saldo verschlechtert und sich das Defizit von 1,3 % des BIP im Jahr 2010 auf 1,5 % des BIP im Jahr 2011 und 2,1 % des BIP im Jahr 2012 ausweitet. Der strukturelle Saldo könnte allerdings zu niedrig angesetzt sein, da es in der zyklischen Entwicklung des gesamtstaatlichen Saldos zeitliche Verzögerungen gibt, die von der Konjunkturbereinigung nicht völlig erfasst werden. Das mittelfristige Ziel Schwedens besteht darin, im Laufe des Konjunkturzyklus einen Überschuss von 1 % des BIP zu erreichen.
Angesichts der jüngsten Projektionen und Schuldenstanddaten gibt dieses mittelfristige Ziel die Zielsetzungen des Pakts mehr als angemessen wieder. Der Konvergenzprogrammaktualisierung zufolge soll das mittelfristige Haushaltsziel im Programmzeitraum aber nicht erreicht werden. (8) Die Haushaltsergebnisse werden im Jahr 2010 voraussichtlich besser sein als im Programm projiziert, könnten danach aber schlechter ausfallen als projiziert. Das Referenzszenario des aktualisierten Programms stammt aus dem im September 2009 veröffentlichten Haushaltsgesetz 2010 und lässt die anschließende Verbesserung der Wirtschaftsaussichten für 2009-2010 außer Acht.
Auch die vorläufigen Haushaltsergebnisse 2009 weisen erheblich bessere Zahlen aus als prognostiziert, was insbesondere auf unerwartet hohe MwSt.-Einnahmen zurückzuführen ist. Das Defizit für 2009 beläuft sich nach den jüngst veröffentlichten volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen auf nur 0,8 % des BIP, während in der Programmaktualisierung 2,2 % des BIP prognostiziert worden waren. Dies könnte sich sehr wohl noch bis in das Jahr 2010 hinein auswirken. Für die Jahre 2011 und 2012 sieht das Referenzszenario gestützt auf eine lebhafte Binnennachfrage ein ausgesprochen kräftiges BIP-Wachstum vor.
Die Rücknahme der Konjunkturimpulse, vor allem eine Normalisierung der Zinssätze, könnte das Verbrauchervertrauen jedoch insbesondere aufgrund der hohen Verschuldung der privaten Haushalte dämpfen. Weiter verschärfen könnte sich diese Entwicklung, wenn sich die derzeitige Inflation bei den Wohnimmobilienpreisen abschwächen sollte. Auch wenn sich die Lage im Finanzsektor eindeutig verbessert hat, verzeichnen einige der großen Banken nach wie vor hohe Kreditausfälle und die Kreditmargen schrumpfen. Angesichts der Bedeutung des Bankensystems für das Funktionieren der Wirtschaft könnten sich staatliche Interventionen im Falle einer Vertrauenskrise auch negativ auf den Haushalt auswirken, selbst wenn die Kosten der staatlichen Unterstützung für den Finanzsektor möglicherweise später teils wieder hereingeholt werden können.
Da 2010 ein Wahljahr ist (Mitte September finden Parlamentswahlen statt), bestehen gewisse wahlzyklusbedingte Risiken, die aber nicht als besonders hoch angesehen werden. (9) Der öffentliche Bruttoschuldenstand wird für 2009 auf 42,8 % des BIP geschätzt, nach 38,0 % im Vorjahr. Neben dem höheren Defizit und dem niedrigeren BIP-Wachstum haben auch umfangreiche Bestandsanpassungen, die vor allem durch ein Darlehen an die Zentralbank bedingt sind, zum Anstieg der Schuldenquote beigetragen. Über den Programmzeitraum hinweg soll die Schuldenquote vor allem wegen anhaltender Haushaltsdefizite bis 2012 um weitere 2,4 Prozentpunkte auf 45,2 % des BIP ansteigen.
Mit einigen Aufwärtsrisiken für das Jahr 2010 und einigen Abwärtsrisiken in der Folge scheinen sich die Risiken für die erwartete Entwicklung der Schuldenquote weitgehend die Waage zu halten. Der Bruttoschuldenstand bleibt deutlich unter dem Referenzwert und die Nettofinanzierungsposition ist positiv. (10) Mittelfristige Schuldenprojektionen, die davon ausgehen, dass das BIP-Wachstum langsam wieder die vor der Krise projizierten Raten erreicht und die Steuerquoten wieder auf Vorkrisenniveau zurückkehren, und die den projizierten Anstieg der alterungsbedingten Ausgaben beinhalten, zeigen, dass die im Programm anvisierte Haushaltsstrategie in der dargestellten Form und bei unveränderter Politik die Schuldenquote auf einen Abwärtspfad bringen und bis 2020 auf rund 15 % des BIP absenken würde.
(11) Die langfristigen Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf die öffentlichen Haushalte liegen deutlich unter dem EU-Durchschnitt, und das von den öffentlichen Rentensystemen angesammelte Vermögen wird bei der Finanzierung eines Teils der gestiegenen Rentenausgaben helfen. Die im Programm geschätzte Haushaltslage 2009 trägt zur Verringerung des Bruttoschuldenstandes bei. Die mittelfristige Sicherung von Primärüberschüssen und die Durchführung angemessener Strukturreformen würden dazu beitragen, die Risiken für die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen, die im Tragfähigkeitsbericht der Kommission von 2009 als gering eingestuft wurden, zu verringern.
(12) Der schwedische Haushaltsrahmen kann als robust angesehen werden und hat zu dem seit seiner Einführung verzeichneten erheblichen Schuldenabbau beigetragen. Zur Erhöhung seiner Transparenz hat die Regierung in den vergangenen Jahren einige Detailkorrekturen vorgenommen und bemüht sich darum, die Leistungsfähigkeit des Rahmens kontinuierlich zu überprüfen, um verbleibende Schwachstellen zu beseitigen. Es wurde insbesondere ein Finanzrat eingesetzt, der bewerten soll, wie gut die Regierung ihre finanzpolitischen Ziele erfüllt hat. Dieser Rat legte 2009 seinen zweiten Jahresbericht vor.
Darüber hinaus hat die Regierung kürzlich die Regeln für die Ausgabenobergrenzen verschärft und prüft nun, welche Möglichkeiten bestehen, um dem gesetzten Überschussziel einen verbindlicheren Status zu verleihen. Ein verbleibender Schwachpunkt ist das Risiko, dass der Rahmen in Zeiten günstiger Konjunktur eine prozyklische Politik nicht ausreichend verhindern kann, was insbesondere für die kommunale Ebene gilt. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Auflage eines ausgeglichenen Haushalts den Kommunen nicht die Möglichkeit gibt, Überschüsse in Zeiten günstiger Konjunktur zur Deckung von Defiziten in Zeiten schlechter Konjunktur zu nutzen.
(13) Da eine hohe Beschäftigungsquote insbesondere angesichts der alternden Bevölkerung Voraussetzung für die Erreichung tragfähiger öffentlicher Finanzen ist, hat die Regierung angebots- und nachfrageseitig eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, die vor allem bei Gruppen mit relativ niedriger Beschäftigungsquote, wie jungen Menschen und Immigranten, die Arbeitsanreize erhöhen und die Einstellungskosten senken sollen. Die Besteuerung der Arbeitseinkommen wurde durch Steuergutschriften für Niedriglohnempfänger und Anhebung der Steuerpflichtigkeitsgrenze verringert. Diese Steuersenkungen wurden mit allgemeinen und gezielten Senkungen der Sozialabgaben kombiniert, um die Einstellungskosten zu verringern.
Reformen wurden auch bei dem Arbeitslosen- und dem Krankenversicherungssystem durchgeführt, wo sowohl die Höhe der Leistungen als auch deren Bezugsdauer zurückgeschraubt wurden. Während die Zahl der Personen, die Krankenversicherungsleistungen beziehen, bereits zurückgegangen ist, sind die Auswirkungen der Einkommensteuerreformen in erster Linie mittel- bis langfristig zu erwarten. (14) Alles in allem kann die gewählte Strategie, den günstigen Ausgangspunkt mit erheblichen Haushaltsüberschüssen durch Umsetzung einer stark konjunkturstützenden Finanzpolitik in den Jahren 2009 und 2010 zu nutzen, als vereinbar mit dem Europäischen Konjunkturprogramm angesehen werden.
Das mehr als unerwartet gute Ergebnis 2009 und die verbesserten gesamtwirtschaftlichen Perspektiven für 2010 vergrößern die Aussicht, dass Schweden als einer von sehr wenigen Staaten in der Lage wäre, die Überschreitung des BIP-Referenzwerts von 3 % in diesen schwierigen Zeiten zu vermeiden. Strukturell werden allerdings für den Zeitraum 2011-2012, in dem die Wachstumsannahmen als günstig angesehen werden, keine Fortschritte in Richtung des mittelfristigen Ziels erwartet. Daher würde die Haushaltsstrategie dadurch gewinnen, wenn sie für die späteren Programmjahre mit konkreten Maßnahmen unterlegt würde.
(15) Was die im Verhaltenskodex für die Stabilitäts- und Konvergenzprogramme vorgesehenen Daten angeht, so weist das Programm sowohl bei den obligatorischen als auch bei den fakultativen Angaben gewisse Lücken auf. Alles in allem lässt sich der Schluss ziehen, dass die Finanzpolitik dank der in Zeiten günstiger Konjunktur gebildeten hohen Überschüsse in der Abschwungphase eine aktive Rolle übernehmen konnte, die mit dem Geiste des Stabilitäts- und Wachstumspakts in Einklang steht, und zwar nicht nur indem kurzfristig die Nachfrage angeheizt, sondern auch indem das langfristige Wachstumspotenzial der Wirtschaft gestärkt wurde.
Der expansive finanzpolitische Kurs wird auch 2010 fortgesetzt, was als angemessen betrachtet werden kann und mit dem Europäischen Konjunkturprogramm in Einklang steht. Dem zwar teilweise überholten Programm zufolge soll sich das Defizit vor allem aufgrund zusätzlicher Konjunkturimpulse, die 2010 wirksam werden, von 2,2 % des BIP im Jahr 2009 auf 3,4 % im Jahr 2010 ausweiten. 2011 und 2012 soll das Defizit dann schrittweise auf 2,1 % des BIP bzw. 1,1 % zurückgehen. Diese Verbesserung ist größtenteils auf das unterstellte kräftige Wirtschaftswachstum zurückzuführen, denn Konsolidierungsanstrengungen sieht das Programm für diese beiden Jahre nicht vor.
Die Gesamtrisiken für die geplante Korrektur scheinen leicht aufwärtsgerichtet zu sein, wobei die für 2010 bestehenden erheblichen Aufwärtsrisiken durch die Abwärtsrisiken im Zeitraum 2011-2012 teilweise wieder ausgeglichen würden. Sollten die Haushaltsergebnisse allerdings hinter den Projektionen zurückbleiben, müsste die Regierung zügig diskretionäre Konsolidierungsmaßnahmen beschließen. In Anbetracht dieser Bewertung und angesichts der Notwendigkeit, nachhaltige Konvergenz zu gewährleisten, wird Schweden — unter Anerkennung der vorbildlichen Leistung der schwedischen Finanzpolitik der letzten Jahre in Einklang mit dem Stabilitäts- und Wachstumspakt — aufgefordert, i) die Finanzpolitik 2010 wie geplant in Einklang mit dem Europäischen Konjunkturprogramm umzusetzen und gleichzeitig darauf hinzuwirken, dass die Überschreitung des BIP-Referenzwerts von 3 % vermieden wird; ii) sicherzustellen, dass die im Programm projizierte nominale Haushaltskorrektur erforderlichenfalls durch zügige Verabschiedung von Konsolidierungsmaßnahmen erreicht wird, um zu gewährleisten, dass die für die späteren Programmjahre vorgesehene Konsolidierung der Staatsfinanzen nicht gefährdet wird, wenn das Wachstum schwächer ausfallen sollte als erwartet, und Fortschritte in Richtung des mittelfristigen Ziels sicherzustellen.
Schweden wird außerdem gebeten, den Datenanforderungen des Verhaltenskodex besser zu entsprechen. Gegenüberstellung zentraler makroökonomischer und budgetärer Projektionen Anmerkungen: Quelle: Konvergenzprogramm (KP), Herbstprognose 2009 der Kommissionsdienststellen (KOM), Berechnungen der Kommissionsdienststellen. 2008 2009 2010 2011 2012 Reales BIP (Veränderung in %) KP Jan. 2010 –0,2 –5,2 0,6 3,1 3,8 KOM Nov. 2009 –0,2 –4,6 1,4 2,1 k. A. KP Dez. 2008 1,5 1,3 3,1 3,5 k. A. HVPI-Inflation (%) KP Jan. 2010 2,1 2,0 0,4 0,6 0,9 KOM Nov. 2009 3,3 1,9 1,7 1,7 k. A. KP Dez. 2008 3,6 1,5 k.
A. k. A. k. A. Produktionslücke (% des BIP-Potenzials) KP Jan. 2010 1,7 –4,1 –3,6 –1,3 1,5 KOM Nov. 2009 0,9 –4,5 –4,1 –3,3 k. A. KP Dez. 2008 –0,5 –1,6 –1,0 –0,2 k. A. Finanzierungsdefizit/-überschuss gegenüber dem Rest der Welt (% des BIP) KP Jan. 2010 7,8 7,2 7,1 7,4 7,4 KOM Nov. 2009 8,1 7,6 7,7 8,1 k. A. KP Dez. 2008 8,2 8,2 8,3 8,1 k. A. Gesamtstaatliche Einnahmen (% des BIP) KP Jan. 2010 55,6 54,9 54,6 54,3 53,9 KOM Nov. 2009 55,6 53,8 52,3 52,0 k. A. KP Dez. 2008 55,4 54,1 53,8 53,3 k. A. Gesamtstaatliche Ausgaben (% des BIP) KP Jan. 2010 53,1 57,1 58,0 56,3 54,9 KOM Nov.
2009 53,1 55,9 55,6 54,6 k. A. KP Dez. 2008 52,5 53,1 52,2 50,8 k. A. Gesamtstaatlicher Haushaltssaldo (% des BIP) KP Jan. 2010 2,5 –2,2 –3,4 –2,1 –1,1 KOM Nov. 2009 2,5 –2,1 –3,3 –2,7 k. A. KP Dez. 2008 2,8 1,1 1,6 2,5 k. A. Primärsaldo (% des BIP) KP Jan. 2010 4,2 –0,9 –2,2 –0,8 0,4 KOM Nov. 2009 4,2 –0,8 –2,1 –1,4 k. A. KP Dez. 2008 –4,7 –2,6 –3,0 –3,8 k. A. Konjunkturbereinigter Saldo (% des BIP) KP Jan. 2010 1,5 0,2 –1,3 –1,4 –2,0 KOM Nov. 2009 1,9 0,5 –1,0 –0,7 k. A. KP Dez. 2008 3,1 2,0 2,2 2,6 k. A. Struktureller Saldo (% des BIP) KP Jan. 2010 1,2 0,3 –1,3 –1,5 –2,1 KOM Nov.
2009 1,6 0,3 –1,0 –0,7 k. A. KP Dez. 2008 2,8 1,9 2,1 2,5 k. A. Öffentlicher Bruttoschuldenstand (% des BIP) KP Jan. 2010 38,0 42,8 45,5 45,6 45,2 KOM Nov. 2009 38,0 42,1 43,6 44,1 k. A. KP Dez. 2008 35,5 32,2 28,3 23,8 k. A.